Berthold Seliger  |  Klassikkampf - Ernste Musik, Bildung und Kultur für alle
Do . 19.10. 20:00

Berthold Seliger | Klassikkampf – Ernste Musik, Bildung und Kultur für alle

Auch die glamouröse Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie konnte die tiefe Krise der klassischen Musik nicht übertünchen: Sie ist im Ritual erstarrt, das Repertoire bleibt konventionell und Konzertbesuche dienen oft nur dem elitären Distinktionsbedürfnis. Unterdessen versuchen die Musikkonzerne mit Entspannungs-CDs für gestresste Manager und der cleanen Inszenierung geigender Schönheiten gegen sinkende Verkäufe anzukämpfen. Doch trotz dieser Anbiederung schreitet die Entfremdung der klassischen Musik von der Masse der Menschen immer weiter fort.

Angesichts dieses Elends der Ernsten Musik fordert Seliger, „Deutschlands eloquentester Konzertagent“ (Berliner Zeitung), einen neuen Klassikkampf um die verdrängten Potenziale der Musik. Er wirft einen kenntnisreichen Blick hinter die Kulissen des heutigen Klassikbetriebes und ruft mit Verve in Erinnerung, dass die Ernste Musik entgegen der heutigen Mutlosigkeit und Verflachung eigentlich immer auf die Revolutionierung der Schönheit und damit auch der realen gesellschaftlichen Verhältnisse zielte; es ging um nichts weniger als um Fortschritt und Glück.

Seliger erklärt, was es mit „Musik als Sprache, die (nicht) jeder versteht“ auf sich hat, er plädiert ausdrücklich für die Trennung in Ernste und Unterhaltungsmusik (setzt sich allerdings für eine neue Kategorisierung jenseits von Klassik und Pop ein) und dafür, die Klassiker vom Podest zu holen und wieder zu nutzen, statt sie nur anzubeten.

In einem ausführlichen Kapitel zur Bildung fordert er eine komplette Revidierung der neoliberalen Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte zugunsten einer Neuorientierung an den „humanities“ und vor allem auch zugunsten der „outerclass“.

Auch schildert er in einem großen Kapitel zu Beethoven, den Komponisten als gesellschaftliches Wesen, der auch heutigen Musiker*innen aller Sparten als Beispiel für eine Musik mit Haltung dienen kann und erläutert das „Prinzip Dire Straits“, dem er das „Prinzip Beethoven“ entgegensetzt.

Seliger klagt die Rettung des „revolutionären Glutkerns der Klassik“ ein, die nur über ihre breite gesellschaftliche Wiederaneignung gelingen kann. So ist seine schonungslose Kritik an der gegenwärtigen Misere am Ende eine flammende Liebeserklärung an die „klassische“, an die Ernste Musik.

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Veranstaltungsort

Rätschenmühle e.V. Geislingen
Schlachthausstraße 22
73312 Geislingen Steige

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